Stehendes Totholz nach Eissturm sicher als Brennholz erkennen

· von Victor Sanz · 5 Min. Lesezeit

Stehendes Totholz nach Eissturm sicher als Brennholz erkennen

Totholz nach dem Eissturm: Kostenlos ja, aber nur wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen

Nach einem heftigen Eissturm sieht der Garten oft aus wie ein Schlachtfeld: abgebrochene Äste überall, halbe Baumkronen liegen quer über dem Rasen, manchmal sogar ganze Stämme. Für viele ist das erstmal ärgerlich, für andere eine echte Chance. Kostenloses Brennholz, direkt vor der Haustür. Klingt verlockend. Ist es auch, solange man ein paar Dinge beachtet. Denn nicht jeder stehengebliebene Baum, der tot oder angeschlagen aussieht, lässt sich einfach so fällen oder zersägen. Manche davon sind tickende Zeitbomben. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, woran Sie gefährliches Totholz erkennen, welches Holz sich tatsächlich lohnt und wie Sie beim Aufarbeiten unversehrt bleiben.

Warum Eisstürme besondere Gefahren schaffen

Eis ist schwer, schwerer als man denkt. Eine wenige Millimeter dicke Eisschicht auf Ästen und Stamm kann das Gewicht eines Baumes um das Zwei- bis Dreifache erhöhen. Ein mittelgroßer Ahorn, der normalerweise locker im Wind schwankt, steht nach so einem Sturm plötzlich unter einer Last, für die er nie gebaut war. Die Folgen davon sieht man nicht immer sofort:

Das Tückische daran: Ein Baum, der gestern noch völlig harmlos aussah, kann heute, nach einer einzigen kalten Nacht mit Eisregen, zur echten Gefahr geworden sein. Die Veränderung ist oft nur mit geschultem Auge zu erkennen.

Checkliste: Ist das Totholz sicher?

Bevor überhaupt eine Säge in die Hand genommen wird, sollte jeder Baum systematisch durchgecheckt werden. Das dauert fünf Minuten, erspart aber im Zweifel einen Krankenwagen.

1. Wurzelbereich kontrollieren

Gehen Sie langsam um den Baum herum und schauen Sie auf den Boden. Angehobene Erde, aufgerissene Grasnarben oder feine Risse im Wurzelbereich sind Alarmsignale. Auch ein leicht geneigter Stamm, selbst nur um wenige Grad, zählt dazu. Ein Baum, der sich bereits einmal bewegt hat, kann jederzeit ganz umkippen, manchmal reicht dafür schon ein mäßiger Windstoß.

2. Stamm auf Risse und Spalten abklopfen

Mit dem Knöchel oder einem Stück Holz gegen den Stamm klopfen, klingt simpel, sagt aber viel aus. Ein hohler, dumpfer Klang deutet auf Fäulnis im Inneren hin. Längsrisse und lose, abgeplatzte Rinde sind weitere Warnzeichen. Solche Stämme können unter Belastung plötzlich und ohne Ankündigung bersten.

3. Krone nach hängenden Ästen absuchen

Von sicherer Entfernung (mindestens Baumlänge plus etwas Reserve) nach oben schauen. Lose hängende, geknickte oder nur halb abgebrochene Äste können jederzeit herunterfallen, auch bei völliger Windstille. Genau das macht sie so gefährlich: Man rechnet nicht damit.

4. Nachbarbäume einbeziehen

Beschädigte Bäume lehnen sich manchmal gegenseitig ab, stützen sich praktisch gegenseitig. Entfernt man einen davon, kann der Nachbarbaum ohne Vorwarnung nachgeben. Immer das ganze Umfeld betrachten, nicht nur den einen Baum, an dem man gerade arbeitet.

5. Auf Spannungsholz achten

Liegt ein Ast oder Stamm unter Zug oder Druck, etwa eingeklemmt zwischen zwei anderen Bäumen oder über einem Hindernis gebogen, kann er beim Durchsägen peitschenartig zurückschlagen. Solche Situationen gehören in die Hände von jemandem mit Erfahrung, nicht in die eines Wochenend-Heimwerkers mit neuer Kettensäge.

Welches Totholz eignet sich als Brennholz?

Nicht jedes Stück Totholz ist die Mühe wert. Manches brennt kaum, anderes lässt sich gefahrlos kaum ernten.

Ein einfacher Test hilft weiter: Stechen Sie mit einem festen Messer oder einem Schraubenzieher in den Stamm. Dringt die Klinge mühelos und tief ein, ist das Holz zu morsch, um es gefahrlos zu fällen, egal wie gut es als Brennholz aussehen mag.

Sicheres Vorgehen beim Aufarbeiten

Richtig lagern für optimale Brennqualität

Nach dem Fällen sollte das Holz möglichst zügig gespalten werden, denn gespaltenes Holz trocknet deutlich schneller als ganze Stämme oder dicke Rundlinge. Bei der Lagerung gilt:

Fazit

Stehendes Totholz nach einem Eissturm kann eine wirklich wertvolle, kostenlose Brennholzquelle sein. Aber nur, wenn Wurzeln, Stamm und Krone vorher sorgfältig geprüft wurden. Im Zweifel gilt eine einfache Regel: Finger weg, Telefon raus, zertifizierten Baumfäller anrufen. Ein Stapel Brennholz ist nie so viel wert wie die eigene Gesundheit.

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